Nachhaltige Dämmstoffe

Geschichte der Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Solartechnik
Abkürzungen im SHK-Handwerk
Bosy-online-ABC

Seegras
Schafwolle
Hanf
Flachs
Schilf
Baumwolle
Seidenzopf

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Zellulose
Holzfaser
Kokosfaser
Kork
Graue Energie
Graue Energie
Graue Energie
Dämmstoffe werden neben der Wärmedämmung auch zum Hitze-, Kälte-, Brand-, Schall- und Feuchteschutz eingesetzt. Die wärmedämmende Eigenschaft ergibt sich aus der ruhenden zum Teil eingeschlossenen Luft, die im Vergleich zu Festkörpern ein schlechter Wärmeleiter ist. Wärmedämmstoffe besitzen eine niedrige spezifische Wärmeleitfähigkeit lambda < 0,1 W/(m·K). Außerdem sind das Feuchtigkeitsverhalten, Brandverhalten, die Schalldämmung und Wärmespeicherfähigkeit wichtige Eigenschaften der Dämmstoffe. Sie werden als Platten, Matten, Filze, lose Schüttungen oder Schichtungen an Dächern, Decken, Wänden, Rohr- oder Lüftungsleitungen eingesetzt.
Quelle: Dipl.-Ing. Lars Nierobis

Aufgrund der verschieden Einsatzgebiete ist das Angebot sehr umfangreich. Da bei den Kunststoffen (EPS, XPS, PUR, Polyester, Aerogel) und Mineratfaserdämmstoffen (Glas- und Steinwolle) der Primärenergieeinsatz bzw. die "Graue Energie" relativ hoch ist, werden alternative Materialien bzw. nachhaltige Dämmstoffe (Seegras, Schafwolle, Hanf, Flachs, Schilf, Baumwolle, Zellulose) eingesetzt, bei denen die "Graue Energie" am niedrigsten ist. Außerdem sind einige Dämmstoffe (z. B. Mineralfaserdämmstoffe, Dämmstoffe mit chemischen Zusätzen) bei der Entsorgung als Sondermüll anzusehen. Hierzu können auch "ökologische" Dämmstoffe gehören, wenn diesen unkontrolliert Stoffe zugesetzt werden, um einen ausreichenden Brand-, Schimmelpilz- und Insektenschutz zu erhalten.
Obwohl die alternativen bzw. nachhaltigen Dämmstoffe nur einen geringen Marktanteil haben, werden diese zunehmend eingesetzt. Weitere Informationen zu nachhaltigen Dämmstoffen finden Sie auf großen Baustoffportalen.

Ökologische Wärmedämmstoffe im Vergleich 2.0 - Herbert Danner
Dämmstoffe richtig eingesetzt - Eignung, Anwendung und Umweltverträglichkeit von Dämmstoffen - BMLFUW (Österreich)

Seegras

Seegras im Meer
verarbeitetes angeschwemmtes Seegras
Quelle: NeptuTherm® e. K.

Seegras (Posidonia oceanica) wir im Herbst, Winter und Frühling an Mittelmeerstränden als Seegraskugeln (Neptunbälle, Meerbälle) in großen Mengen angeschwemmt. Hier ist es in der Regel ein Abfallprodukt und wird auf Deponien entsorgt. Sinnvoll ist es, den in großen Mengen vorkommenden nachwachsenden Rohstoff als Dämmstoff zu verarbeiten.
Seegrasfasern haben eine Wärmeleitfähigkeit von lambda(R): 0,040 - 0,046 W/(m·K), sie sind schwer entflammbar (hoher Silikatgehalt), schimmelresistent (Salzgehalt) und lassen sich ohne chemische Zusätze z. B. zur Zwischensparrendämmung in Steildächern, zum Dämmen von Innenwänden oder an der Gebäudehülle einsetzen. Die Fasern nehmen Wasserdampf auf, puffern ihn und geben ihn wieder ab, ohne dass die Wärmedämmfähigkeit beeinträchtigt wird. Da Neptunbälle lediglich einen Salzgehalt von 0,5 bis 2 % haben, verrottet der Dämmstoff nicht. Der Dämmstoff ist aber nur begrenzt druckbelastbar, aber an der Entwicklung von festen Faserplatten wird gearbeitet.

Die Verarbeitung des Dämmstoffes ist unproblematisch. Die Seegrasfasern werden in die Hohlräume von Wänden, Decken und Dächern geschüttet und anschließend von Hand gestopft. Wenn die Hohlräume schlecht zugänglich sind, sollten diese mit einer speziellen Einblasmaschine gefüllt werden, damit auch die hintersten Ecken und Winkel erreicht werden. In der Regel wird das von Fachbetrieben durchgeführt.

Seegras - NeptuTherm® e. K.
Seegras - Verarbeitungsmethoden - NeptuTherm® e. K.

 

Schafwolle

 

Auch aus Schafwolle und recycelter Altwolle kann ein guter Dämmstoff (Wärmeleitfähigkeit lambda(R): 0,035 - 0,045 W/(m·K)) hergestellt werden. Dabei wird die Rohwolle wird mit Seifen und Soda gereinigt und zu Vliesen oder Filzen verarbeitet und gegen Brand mit ca. 3 - 5 % Borsalz und gegen Motten mit Harnstoffderivate imprägniert. Matten mit größeren Dicken müssen mit Polyester- oder Kokos-Stützfasern stabilisiert werden.
Schafwolle ist flexibel, fäulnisresistent, leicht zu verarbeiten, und langlebig. Außerdem kann sie bis zu 33 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und schnell wieder abgeben ohne an Isolationsfähigkeit einzubüßen.

Der Dämmstoff wird als Dämmfilz, Matte, Trittschall-Dämmplatte oder Stopfwolle angeboten und in Dächern, Fassaden, Wänden, Decken und Fugen eingesetzt.
Das Ausgangsmaterial wird hauptsächlich aus Neuseeland importiert. Aber auch europäische Hersteller, z. B. aus Österreich oder Großbritannien, bieten zunehmend die Rohwolle an.

 

Hanf

 

Hanf (Cannabis) ist eine Nutz- und Zierpflanze, die als Heil-, Faser- und Ölpflanze aber auch zur Herstellung von Rauschmittel verwendet wird. Zur Gewinnung von Hanffasern, die z. B. für Textilien, Taue, Dichtmaterial für Rohrgewindeverbindungen und Dämmstoffe eingesetzt werden, wird Nutzhanf (Faserhanf) angebaut. Hierzu darf nur zertifiziertes Saatgut verwendet werden, dessen THC-Gehalt (Tetrahydrocannabinol) weniger als 0,2 % ist. Der Anbau von Faserhanf muss der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung als zuständiger Behörde angezeigt werden.

 

 

Hanffasern werden als Dämmstoffe (Matten, Platten, lose Schüttung) eingesetzt, da sie Schädlings-, Verrottungsresistent und gesundheitlich unbedenklich sind. Bei der Verabeitung zu Dämmfilzen und Vliesen auf Imprägnierungen verzichtet werden. Durch den Zusatz von Borsalzen werden die Brandschutzeigenschaften verbessert. Der Hanf hat gute schalldämmende und wärmedämmende Eigenschaften (Wärmeleitfähigkeit lambda(R): 0,040 - 0,045 W/(m·K)). Der Anbau des nachwachsenden Rohstoffs ist einfach, da keine Pestizide erforderlich sind.

Nachwachsender Rohstoff Hanf - Hock GmbH & Co. KG

Flachs

 

Der nachwachsenden Rohstoff Flachs (Lein) hat gute Wärmedämmeigenschaften (Wärmeleitfähigkeit lambda(R): 0,038 W/(m·K) und eine hohe Formbeständigkeit. Die Resistenz gegen Schädlingsbefall (Insekten oder Nagetiere) wird durch natürliche Bitterstoffe gewährleistet. Die Flachskurzfaser wird mechanisch verfilzt. Durch Kleber (z.B. Kartoffelstärke) oder mit Vliesbildner (Kunststofffasern) werden die Kurzfasern geschichtet und zu unterschiedlich starken Dämmstoffmatten verarbeitet.
Der Dämmstoff besteht aus Flachsfasern (80 %), Kartoffelstärke (10 %), Natriumoctaborat (Borsalz 10 %). Er ist diffusionsoffen, feuchtigkeitsregulierend, normal entflammbar (Baustoffklasse B2) und wird zum
Wärme- und Schallschutz in Außen- und Innenwänden und in Dach- und Deckenkonstruktionen eingesetzt.
Der Einbau erfolgt durch Einklemmen bzw. bei dünneren Stärken durch Festtackern/Klammern. Bis zu 40 mm Flachsdämmstoffdicke werden die Platten mit einer mit Stoffschere und größere Stärken mit einem langen Messer (Wellenschliff) oder Elektro-Fuchsschwanz zugeschnitten.
So können sie zwischen Holz- oder Metallständerrahmen, Sparren, Deckenbalken und Staffelkonstruktionen eingesetzt werden.
Durch die Zusatzstoffe dürfen Flachsdämmstoffe nicht kompostiert werden. Hier bieten die Hersteller eine kostenfreie Rücknahme an.

Flachs (Lein) - FNR

Schilf - Reet

Schilfmatten
Reetdach

Das nachwachsende Schilfrohr (Reet) wird inform von Dämmplatten als Naturdämmstoff eingesetzt. In der Dämmplatte sind mehrere parallele lange Schilfrohre verpresst. Bei der Produktion werden vorwiegend verwendet, da Die Luftkammern in und um den Schilfrohren ergeben gute Dämmwerte (Wärmeleitfähigkeit lambda(R): 0,040 - 0,055 W/(m·K)).
Schilf (Reet) ist resistent gegenüber Fäulnis, Schimmel und Feuchtigkeit und hat eine schalldämmende Wirkung. Um den Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von 0,24 W/(m²K), der nach der EnEV 2009 vorgegeben ist, zu erreichen, muss die Dämmschicht ca. 18 cm betragen.
Die Feueranfälligkeit von trockenem Schilf ist trotz des hohen brandhemmenden Kieselsäureanteils vorhanden und deshalb wird Schilf (Reet) der Baustoffklasse B2 (normal entflammbar) zugeordnet.
Schilf (Reet) wird zur Boden-, Innen- und Außendämmung, Dacheindeckung und als Putzträger eingesetzt. Für eine Perimeterdämmung oder Kerndämmung sind Schilfmatten ungeeignet.

Schilfrohr-Dämmplatten - NaturBauHof - Andreas Wischner
Hiss Reet Platte - Hiss Reet eK


Baumwolle

Baumwollepflanzen - Dämmatte

Die feine Faserstruktur der Baumwolle ergeben gute Wärmedämmwerte (Wärmeleitfähigkeit lambda(R): 0,040 - 0,54 W/(m·K)). Die Dämmstoffe sind atmungsaktiv und nehmen viel Feuchtigkeit auf. So wirkt der Dämmstoff als Feuchtepuffer zwischen Raumluft und Außenluft und tragen zu einem guten Raumklima bei. Da Baumwolle aus Zellulose besteht, muss sie zum Schutz gegen Nagetiere, einige Insektenarten und zum Brandschutz mit Borsalz (3 % auf 8 % - B1 schwer entflammbar, B2 normal entflammbar) imprägniert werden.

Angeboten werden Baumwolle-Dämmmatten mit Dicken von 50 bis zu 180 mm und Baumwolle-Dämmfilze (Dicke 4 bis 10 mm) für die Trittschalldämmung und Hohlraumdämmung in leichten Trennwänden.

 

 

Zellulose

 

Zelluloseflocken

Zellulose besteht aus mechanisch zerkleinertem Zeitungspapier. Das Papier wird zerfasert, getrocknet entstaubt und verpackt. Die Baustoffklasse B1 (schwer entflammbar) und B2 (normal entflammbar) wird durch die Zugabe von Borsalze (3 - 20 %) und Borsäure erreicht und ein Schädlingsbefall verhindert. Es können Bauteile mit den Feuerwiderstandsklassen von feuerhemmend bis feuerbeständig hergestellt werden. Die Wärmeleitfähigkeit liegt bei lambda(R): 0,040 – 0,045 W/(m·K) bietet einen guten sommerlichen Wärmeschutz. Die Rohdichte von 60 kg/m3 begünstigt zusammen mit der Materialstärke diesen Effekt. Es kommt zu einer Phasenverschiebung (Zeitverschiebung). Die Außenwärme gelangt zeitlich verzögert (10 bis 14 h) in den Innenraum. Dadurch werden die Hitzespitzen abgepuffert. Zellulose nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen und gibt sie wieder gut ab.
Die Zellulosefasern (-flocken) werden durch Maschinen in die zu dämmenden Bauteile bis zu einer Dicke von 400 mm eingeblasen. Dabei werden allseitig geschlossene Hohlräume hergestellt, in die anschließend durch Öffnungen das Dämmmaterial eingeblasen wird. Für die Wärmedämmung auf ungedämmten obersten Obergeschossdecken, die nicht begangen werden müssen, kann das Material auch aufgeblasen werden. Im Ausnahmefall ist auch ein Sprühverfahren möglich. Die Zellulose wird dafür mit leichtem Wassernebel befeuchtet, aufgesprüht und anschließend die Überstände mit einer Planbürste abgezogen. Je nach Klima und verwendeten Materialien müssen bei diesem Verfahren festgelegte Trockenzeiten beachtet werden.

Zellulose wird auch als Zellulosedämmmatte angeboten. Diese haben eine Wärmeleitfähigkeit von lambda(R): 0,039 W(m·K). Die Rohdichte liegt bei 70 kg/m3 und bietet sich auch als Schalldämmung an. Die Verarbeitung erfolgt als Klemmfilz zur Ausfachung im Holzbau und Dachstuhl. Die Materialstärke variiert von 30 bis 180 mm. Die Klemmweite von 400 bis 1100 mm.

Seidenzopf


Seidenzopf
Quelle: GYSO AG

Der Seidenzopf ist ein Stopfprofil aus Recyclingmaterial welches aus Resten der Kleider-, Matratzen oder Bettwarenproduktion gerissen und kadriert zu einem Wattevlies zusammen geführt und mit gekreuzten Helancafäden umwickelt und verdichtet wird. Er hat gute Schall- und Wärmedämmeigenschaften (Wärmeleitfähigkeit - lambda(R): 0,036 W(m·K) und ist absolut frei von Schadstoffen und Weichmachern. Der Dämmstoff besteht aus ca. 40 % Schafwolle, ca. 40 % Baumwolle und ca. 20 % Kunstfasern.
Das Material wird zum Isolieren und Füllen von Fensterrahmen, Fensterbänken, Türrahmen, zum Füllen von Hohlräumen, Rollladenkästen, Mauerdurchbrüchen und zum Dämmen von Heizungsrohren eingesetzt.

GYSO-Seidenzopf - GYSO AG

Holzfaser
Holzfaserdämmstoffe werden aus den Abfallspänen aus der Holzverarbeitung von Weichholz (Fichten,- Kiefern-, Tannenholz) hergestellt. Hier unterscheidet man zwischen Holzfaser bzw. Holzwolle, Holzweichfaserdämmplatten (WF) und Holzspäne bzw. Hobelspäne. Sie unterscheiden sich durch die Wärmeleitfähigkeit (lambda(R): 0,045 W/(m·K) / 0,040-0,055 W(m·K) / 0,045-0,055 W/(m·K) ) und Rohdichte (30-60 kg/m3 / 150-190 kg/m3 / 90-140 kg/m3).

Holzfaser

Holzfaserplatten mit Nut und Feder

Holzwolle

Lose Holzfasern werden als Einblasdämmstoff verwendet. Die Setzungssicherheit wird durch Verfilzung und Verzahnung beim Einbringen erreicht. Sie haben eine hohe dampfdiffusionsoffenheit, hohe Wärmespeicherfähigkeit und wirken feuchteregulierend.

 

 

 

Holzfaserdämmplatten (Weichfaserplatten) werden aus Nadelholzabfall ohne Zusätze hergestellt. Sie bestehen fast ausschließlich aus Restholz, das zerkleinert, zerfasert und anschlißend unter Druck und Temperaturen um die 380 °C gepresst wird. Dabei findet eine Verfilzung und Verklebung der Fasern durch die holzeigenen Harze statt. Zur Verbesserung des Flammschutzes und gegen Schimmelpilzbefall wird z. B. Ammoniumsulfat hinzugeggeben. Unterdeckplatten werden oft mit Naturharzen, Bitumen, oder Latex imprägniert.
Die Holzfaserplatten haben gute Wärmedämm- und Schalldämmeigenschaften.

Holzspäne bzw. Hobelspäne fallen in großen Mengen als Abfallspäne bei der Holzverarbeitungg von Weichholz an. Zur Verbesserung des Brandschutzes und gegen Pilzbefall werden die Holzspäne mit Sodalauge und Molke imprägniert.
Die Späne werden mit Spezialgeräten zwischen Schalungen eingebracht, eingerüttelt und zu einem Vlies verdichtet.
Hobelspäne haben nur einigermaßen gute Wärmedämmeigenschaften, aber gute Schalldämmeigenschaften, eine sehr gute Wärmespeicherung, wirken feuchteregulierend und ist gesundheitlich unbedenklich.

Holzfaserdämmstoffe - Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V.
Holzfaser-Wärmedämmverbundsysteme - Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V.

Kokosfaser

Kokosfaser

Die Kokosfaser (eine sehr elastische, leichte und bruchfeste Faser) wird aus dem Bast der Fruchthülle von Kokosnüssen gewonnen. Da die Fasern innen hohl sind, haben sie gute Wärme- und Schalldämmeigenschaften. Durch pflanzeneigene Gerbstoffe besteht eine hohe Verrottungsbeständigkeit und sind widerstandsfähig gegenüber Nässe. Außerdem sind sie diffusionsoffen und wirken feutigkeitsregulierend. Der Zusatz von Borsalzen oder Ammoniumsulfat machen den Dämmstoff normal entflammbar (Brandschutzklasse B2).
Kokosfasern kommen als Filz, Matten oder Platten auf den Markt.

Die Kokosfaser wird zur Wanddämmung im Leichtbau , als Hohlraumdämmung von Decken und Trittschalldämmung eingesetzt. Die diffusionsoffene Eigenschaft machen den Dämmstoff besonders für die Altbausanierung interessant.

 

 

 

Kork

Korkgranulat
Korkplatte

Der Dämmstoff besteht aus einem gemahlenen Granulat der Korkeiche und recyceltem Kork. Das Granulat wird mit Heißdampf in einem Druckbehälter zu Korkschrot expandiert. Backkork wird beim Expandieren zu Blöcken gepresst, die dann zu Platten geschnitten werden. Das korkeigene Harz wirkt als Bindemittel.
Kork ist sehr leicht, diffussionsoffen, hat ein hohes Rückstellvermögen, ist alterungsbeständig, verrottungs- und fäulnisresistent und hat eine Wärmeleitfähigkeit von lambda(R): 0,045 - 0,060 W/(m·K). Flammschutzmittel sind nicht nötig, es ist normalentflammbar (B2). Durch Bitumenzusatz kann der Kork imprägniert werden, ist dann aber nicht mehr kompostierbar, kann aber erneut verarbeitet werden.
Die Korkdämmung lässt sich durch Schneiden oder Sägen verarbeiten und wird bei der Dachdämmung, in Fassaden unter Putz/Bekleidung, in Decken und als Kerndämmung in der Wand eingesetzt.

Da der Anbau des nachwachsenden Rohstoffes hauptsächlich in Portugal und Spanien erfolgt, entstehen lange Transportwege.

 

Wichtige Kennwerte zur Beurteilung eines Dämmstoffes sind die Wärmeleitfähigkeit (W/(m·K), die Rohdichte (kg/m3), die Baustoffklassen (A und B) und Primärenergiegehalt
Kennwerte von Dämmstoffen
Dämmstoff

Wärmeleitfähigkeit*1
W/(m·K)

Rohdichte*2
kg/m3

Baustoffklasse*3
(Brennbarkeitsklasse)

Primärenergiegehalt
kWh/m3

Seegras
0,040 - 0,046
70 - 80
B2 – schwer entflammbar
?
Schafwolle
0,035 - 0,045
15 - 60
B2 – normal entflammbar
ca. 55
Hanf
0,040 - 0,050
20 - 68
B1 – schwer entflammbar
B2 – normal entflammbar
?
Flachs
0,038 - 0,045
20 - 80
B2 – normal entflammbar
30 - 80
Schilf - Reet
0,040 - 0,055
225
B2 – normal entflammbar
-
Baumwolle
0,040
20 - 60
B1 – schwer entflammbar
B2 – normal entflammbar
90 - 100
Seidebzopf
0,036
-
B1 – schwer entflammbar
B2 – normal entflammbar
-
Zellulose
0,040 - 0,045
30 - 80
B1 – schwer entflammbar
B2 – normal entflammbar
50 - 80
Kokosfaser
0,040 - 0,050
70-120
B2 – normal entflammbar
95 - 200
Holzfaser
0,040 – 0,090
30 - 270
B1 – schwer entflammbar
B2 – normal entflammbar
50 - 1.500
Kork
0,045 - 0,060
100 - 220
B2 – normal entflammbar
60 - 450
*1Die Wärmeleitfähigkeit ist das Vermögen eines Stoffes, thermische Energie zu transportieren. Materialien mit einer Wärmeleitfähigkeit gleich oder kleiner 0,10 W/(m·K) dürfen nach der DIN 4108 "Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden" als Wärmedämmstoffe bezeichnet werden. Dämmstoffe mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,030 bis 0,050 W/(m·K) gelten als gut und unter 0,030 W/(m·K) als sehr gut.
*2Die Rohdichte (kg/m3) definiert sich als Quotient aus der Masse eines Stoffes und dem von dieser Masse eingenommenen Volumen und beeinflusst die wärmeschutztechnischen Eigenschaften eines Dämmstoffes. Materialien mit einer geringen Rohdichte haben eine große Porosität oder ein hohes Hohlraumvolumen und führt zu einer Verringerung der Wärmeleitfähigkeit und dadurch zu einer besseren wärmedämmenden Wirkung. Der günstigste Rohdichtebereich liegt zwischen 20 und 100 (kg/m3). Bei einer geringeren Rohdichte erhöht sich der durch Strahlung übertragene Wärmeanteil und bei einer größeren Rohdichte erhöht sich der durch Wärmeleitung übertragene Anteil.
*3Dämmstoffe werden nach ihrem Brandverhalten in zwei Brennbarkeitsklassen (Baustoffklassen) unterteilt. In der Baustoffklasse A sind nicht brennbare Stoffe und in der Baustoffklasse B brennbare Stoffe zusammengefasst. Nichtbrennbare Stoffe werden noch einmal unterteilt in A1 (Stoffe ohne organische Bestandteile, die nicht brennbar sind und daher keine Gefahr im Fall eines Brandes darstellen) und in A2 (Stoffe mit organischen Bestandteilen, die nicht selbst entzündbar sind, aber in geringem Maß brennbare Anteile enthalten. Brennbare Stoffe werden in B1 (schwer entflammbare Stoffe, sie sind brennbar, brennen aber nach dem Erlöschen des Feuers nicht selbstständig weiter) und B2 (normal entflammbare Stoffe, die sich durch Zündquellen entflammen lassen und abhängig von den Umgebungsbedingungen weiterbrennen.
Graue Energie

Der indirekte Energiebedarf, der durch den Kauf eines Produktes oder durch eine Dienstleistung entstanden ist, wird "Graue Energie" genannt. Es handelt sich um die Energiemenge, die für die Herstellung, den Transport, der Lagerung, des Verkaufs und der Entsorgung dieses Produktes benötigt wird. Hier werden nicht nur  alle Vorprodukte bis zur Rohstoffgewinnung berücksichtigt, sondern auch der Energieeinsatz aller notwendigen Produktionsprozesse dazugerechnet. Außerdem werden auch alle zur Herstellung notwendigen Maschinen, Infrastruktur-Einrichtungen und der Energiebedarf für deren Herstellung und Instandhaltung anteilig dem Produkt oder der Dienstleistung zugerechnet. Der direkte Energiebedarf, der bei der Benutzung eines Produktes benötigt wird, sagt also nicht viel über dessen Energieeffizienz aus, weil auch die Graue Energie die Umwelt belastet.

Heutzutage wird immer wieder zum Energiesparen aufgerufen. Aber in einer Gesellschaft, die auf Wachstum ausgerichtet ist, zählen nur noch Neukäufe, was durch den Internethandel als besonders günstig angesehen wird. Dabei werden die Ressourceneffizienz und die Graue Energie vollständig vernachlässigt und teils vorsätzlich aus den Energiebilanzen nicht beachtet.
So wird z. B. die Graue Energie, die in der Dämmung von Hausfassaden vorhanden ist und oftmals höher liegt als ihr Nutzen durch die Heizersparnisse nicht beachtet. So sind z. B. Hartschaumplatten in 30 Jahren Sondermüll und für die Herstellung von Polystyrol (EPS) werden rund 500 kWh/m3 benötigt, für Zellulosedämmung weniger als 100 kWh/m3.

So ist z. B. bei dem Hausbau die Graue Energie oft beträchtlich, da für die Herstellung und den Transport der Baumaterialien Energie aufgewendet werden muss. In einem konventionellen Haus verbraucht man in 30 bis 40 Jahren für die Beheizung die gleiche Energiemenge, wie zur Herstellung nötig ist. Besonders bei energetisch sehr guten Häusern (z.B. Passivhäusern) sollte die graue Energie besonders beachtet werden, weil diese Häuser im Betrieb sehr wenig Energie benötigen und - relativ gesehen - mehr Energie bei der Errichtung benötigt wird als bei dem Betrieb.
Auch die vielgepriesene Erneuerbare Energie (regenerative Energie, alternative Energie), z. B. Sonnenenergie (solare Energie), Wasserkraft, elektrische Energie (Photovoltaik, solarthermischen Kraftwerke, Windenergie), Biomasse, ist relativ stark mit Grauer Energie belastet. Das hängt mit der niedrigen Leistungs- oder Energiedichte zusammen. Hier sollte bei der Produktion der Anlagenteile auch Erneuerbare Energie verwendet werden, um die Graue Energie zu minimieren.
Bei vielen Produkten ist die Prozesskette sehr umfangreich. Dadurch ist die Berechnung der Grauen Energie schwierig und wird deshalb durch vereinfachende Schätzungen festgelegt, um nicht "schöngerechnet" zu sagen.
Graue Energie und Umweltbelastung von Heizungssystemen - Jenni Energietechnik AG
Graue Energie im Baubereich - SUSTAINUM - Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften Berlin GmbH
Graue Energie im Fokus - Heinrich Gugerli, Rolf Frischknecht, Ueli Kasser, Martin Lenzlinger
Graue Energie im Alltag - O.Ö. Energiesparverband
Dämm-Lüge

Die Befürworter, die eine thermische Gebäudesanierung mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) als Allheilmittel propagieren, um mit einer "kleinen" Investition zu extrem geringeren Heizkosten zu gelangen, verschweigen wesentliche Nachteile.
Den Hausbesitzern wird von Umweltpolitikern und Dämmstoffproduzenten versichert, dass man angeblich bis zu 85 % an Energiekosten einsparen kann. Aufgrund dieser Aussage und mit staatlicher Unterstützung (staatliche Förderbank KfW) werden die Häuser wie eine Thermoskanne eingepackt. Die Lobbyarbeit verschiedener Verbände (z. B. Umweltschützer, Dämmindustrie) hat also Erfolg.
Ob die vollmundigen Versprechungen über die Wirksamkeit des Dämmens wirklich so stimmen wird von lobbyunabhängigen Experten zunehmend bezweifelt. So werden z. B. bei dem Dämmen der Außenfassaden nur 15 bis 20 % Heizkosten eingespart. Eine Untersuchung der KfW kommt zu dem Ergebnis, dass energetische Sanierungen mehr Geld verschlingen, als durch sie eingespart werden. Selbst die zusätzlichen finanziellen Aufwendungen für den Neubau besonders energiesparender Wohngebäude werden sich nicht amortisieren. Die Investitionen lassen sich nicht allein aus den eingesparten Energiekosten finanzieren.
Auf der anderen Seite steigern die Investitionen die Energieeffizienz von Wohngebäuden und haben positive volkswirtschaftliche Auswirkungen, indem sie bis 300.000 Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft und dem Handwerk für einige Jahrzehnte gesichert werden. Nur besteht hier die Frage, ob die Eigenheimbesitzer und letztendlich auch die Mieter derartige Subventionen bezahlen müssen.

"Schuld" bzw. der Hintergrund ist die Energieeinsparverordnung (EnEV), in der mit jeder Änderung die Dämmvorgaben für neue Ein- und Mehrfamilienhäuser um ca. 30 % angehoben wurden, was die Neubaukosten und dadurch auch die Mieten erheblich in die Höhe getrieben hat.

 

WDVS / Wärmedämmverbundsystem - Nachteile, Probleme, Risiken - Björn Lenz

Leider werden die Befreiungen nach § 25 der EnEV 2014 zu wenig genutzt. Ob es es Unwissenheit oder Ignoranz ist, ist schwer einzuordnen. In vielen Fällen sollte doch ein Abweichungsantrag von bauordnungsrechlichen Vorschriften bei dem zuständigen Bauamt bzw. Bauordnungsamt (untere Bauaufsichtsbehörde) gestellt werden. > mehr

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