Thermischer Abgleich

Geschichte der Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Solartechnik
Abkürzungen im SHK-Handwerk
Bosy-online-ABC

Der Begriff Hydraulischer Abgleich (HA) ist inzwischen in allen möglichen Ratgebern zu lesen. Ja, er ist richtig zum Modebegriff geworden.
Der hydraulische Abgleich ist nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT) eine vorgeschriebene Leistung für die Neuinstallation  und Sanierung (z. B. Wechsel von Wärmeerzeugeugern [Kesseltausch, Wärmepumpmpen]) von Heizungsanlagen. Das gilt für Bauverträge nach BGB 2018 ( Verbraucher-Verträge) und Verträge nach VOB. Auch das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt den hydraulischen Abgleich in den § 20 und § 50 vor. Dies muss nicht ausdrücklich erwähnt werden, weil es automatisch Vertragsbestandteil ist. Außerdem wird bei dem Fördermaßnahmen der BAFA ein HA vorgeschrieben, der von einer Fachfirma über die Fachunternehmererklärung (FUK) bestätigt werden muss.

Thermischer Abgleich
In Wirklichkeit ist letztendlich der "Thermische Abgleich" (TA) - man könnte ihn auch Feinjustierung nennen - ausschlagebend für die energiesparende Beheizung der Räume. Die Berechnung der Raumheizlasten, die Heizflächenauslegung  und somit auch die Voreinstellung der Heizflächen (HA) beziehen sich auf kahle Räume und ist letztendlich reine Theorie, weil man nicht weiß, ob alle Fakten, die berechnet wurden, auch wirklch so ausgeführt werden bzw. wurden. Außerdem erfasst die Raumheizlastberechnung nach DIN EN 12831 keine Wärmegewinne in den Räumen. Dadurch sind die berechneten Heizlasten immer zu hoch.
Für die Bewohner ist aber eine Einstellung nach dem Einzug ausschlaggebend, denn dann sind die Räume eingerichtet. Durch die Einrichtungen (Wandschränke und -regale, Möbel, Bodenbeläge) ändern sich die Raumheizlasten, also auch die im HA vorgesehenen Werte. Jetzt kommt die Zeit für den TA.
Dieser sollte in der ersten oder zweiten Heizperiode nach Einzug sinnvollerweise von Betreiber bzw. Bewohner durchgeführt werden, denn nur diese kennen ihre gewünschten Wohlfühltemperaturen. Dabei sollen die Heizflächen so einreguliert (Volumenstrom) werden, dass die Raumtemperaturen wenistens mit den in der Heizlastberechnung vorgesehenen Temperaturen (Wunschtemperaturen) übereinstimmen. Das funktioniert aber nur, wenn die Systemtemperatur über die Heizkurve (Vorlauf oder Rücklauf) so niedrig wie möglich eingestellt ist und die Einzelraumregelung (wenn vorhanden) die Wärmezufuhr nicht ausbremst, denn die Temperatur des Heizungswassers darf keine Fremdwärme sein. Außerdem sollte die Außentemparatur beim Abgleichenunter 5 °C liegen und es sollte möglichst kein sonniges Wetter vorhanden sein.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man sich mit dem Heizungssystem und der vorhandenen Regelung auseinandersetzen.
• Ist es eine vorlaufgeführte Regelung oder eine rücklaufgeführte Regelung vorhanden?
• Welche Bauteile (z. B. Temperaturfühler, Außentemperaturfühler) sind vorhanden und sind diese richtig angebracht?
• Hat der Ersteller der Anlage den Betreiber bei der Übergabe in die eingebaute Anlage eingewiesen (z. B. Anlagenbeschreibung)?
• Wurden alle notwendigen Unterlagen (z. B. Bedienungsanweisungen, Protokolle [z. B. Voreinstellwerte der Thermostatventile oder Topmeter, Vordruck im MAG, Mindestdruck am Manometer]) übergeben?

Die Grundlage für den Thermischen Abgleich ist der Hydraulische Abgleich, denn für ein einwandfreies Funktionieren einer Wasserheizungsanlage müssen die Massenströme richtig eingestellt werden, d. h. jeder Heizkörper bzw. Heizkreis soll nur die Wassermenge bekommen, die der berechneten Heizlast bzw. Heizflächenauslegung entspricht. Das setzt natürlich voraus, dass die Heizkörper bzw. Heizflächen auch nach der Raumheizlastberechnung nach DIN EN 12831 ausgelegt wurden. Dieser Abgleich (Voreinstellungen) wird nach dem Spülen bzw. Füllen der Anlage anhand der in der Rohrnetzberechnung ermittelten Werte an den voreinstelllbaren Heizkörperventilen (evtl Rücklaufverschraubungen) bzw. voreinstellbaren Heizkreisarmaturen (z. B. Topmeter an Fußboden-, Wand- und Deckenheizflächen) durchgeführt. In der Regel passiert dies in einem noch nicht fertiggestellten und nicht eingerichtetem Neubau.

Der Thermische Abgleich kann erst durchgeführt werden, wenn die Räume fertig eingerichtet sind, denn die Einrichtung ist eine Speichermasse, verkleinert das Raumvolumen, deckt evtl. Heizflächen ab (z. B. bodengleiche Einrichtungsgegenstände) und kann als Dämmung an Außenwänden (z. B. Einbauschränke) wirken. Außerdem sollte diese Feinjustierung erst bei Außentemperaturen von unter 5 °C und möglichst an Tagen ohne Sonnenschein durchgeführt werden und ein Neubau sollte trocken sein. Außerdem sollten die Raumtüren geöffnet bzw. geschlossen sein, wie es in Zukunft auch gewünscht wird.

In der Regel gehört die Feinjustierung (Thermischer Abgleich) nicht zum Leistungsumfang des Hydraulischen Abgleichs bzw. der Bauleistung, weil die Arbeit sehr zeitaufwendig und dadurch schlecht kalkulierbar ist und erst durchgeführt werden kann, wenn die Bewohnen eingezogen sind. Denn auch die Heiz- und Lüftungsgewohnheiten der Bewohner spielen eine große Rolle. Es ist sinnvoll, dass die Bewohner die Feineinstellung selber durchführen. Natürlich sollten die Bewohner nicht nur deswegen über das richtige Heizen und Lüften informiert werden.

Für Informationen kann der Heizungsbetrieb sich auch Türanhänger drucken lassen. Diese können werbewirksam z. B. an der Regelung und an den Heizkreisverteilern aufgehängt werden.

Der Hydraulische Abgleich ist die Theorie (aber die Grundlage für den TA) und der Thermische Abgleich ist die Praxis, weil es keine gleichen Häuser und keine gleichen Heiz- und Lüftungsgewohnheiten gibt.

Der thermische Abgleich kann z. B. nach Auszug der Kinder, also bei dem Nichtbeheizen bzw. eingeschränktem Beheizen der Zimmer, noch einmal sinnvoll sein.

Außerdem sollte man bedenken, dass besonders in sehr gut gedämmten Häusern in Verbindung mit Flächenheizungen, die mit einer niedrigen Systemtemperatur betrieben werden, verschiedene Raumtemperaturen und ein schnelles Aufheizen nicht beheizter Räume oder kurzzeitiges Abkühlen einzelner Räume fast unmöglich ist.

In mehrstöckigen Mietshäusern haben die unteren und oberen Wohnungen (beheizt oder nichtbeheizt) einen Einfluss auf die Raumtemperaturen in der eigenen Wohnung. Dies führt besonders in Häusern mit Ferien- oder Wochenendwohnungen zu großen Problemen bzw. ständigem Ärger.

Der Hydraulische Abgleich ist seit 1978 in der 1. Heizungsanlagenverordnung - Verordnung über  energiesparende Anforderungen an heizungstechnische Anlagen und Warmwasseranlagen - und den folgenden Vorschriften vorgeschrieben. Außerdem ist der Abgleich in der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) Teil C – ATV DIN 18380, auch schon in der Ausgabe von 1960, (wenn die VOB schriftlich festgelegt wird) festgelegt, und in der DIN EN 14336 (Heizungsanlagen in Gebäuden – Installation und Abnahme der Warmwasser-Heizungsanlagen - 01-2005) und der EnEV (EnergieEinsparVerordnung) vorgeschrieben, sondern auch Grundvoraussetzung für eine effizient arbeitende außentemperaturgesteuerte Anlage. Natürlich muss diese Leistung auch beauftragt und bezahlt bzw. muss im Angebot mit kalkuliert werden.

Ob ein hydraulischer Abgleich in einer Bestandsanlage (aber auch in Neubauten) überhaupt notwendig ist, kann man selber auch erst einmal bei verschieden Außentemperaturen testen.

Hier könnte bzw. sollte man den Test nach 2 bis 3 Jahren noch einmal durchführen (wenn nicht inzwischen ein Thermischer Abgleich [Feinjustierung] durchgeführt wurde).

  • Alle Ventile voll aufdrehen oder die Thermostatköpfe abnehmen > eine längere Zeit heizen (dabei sollte möglichst keine Fremdwärme, wie z. B. Sonneneinstrahlung, viele Personen, E-Geräte, die Einfluss auf die Erwärmung der Räume hat, vorhanden sein) die Raumtemperaturen prüfen. Die Temperaturen sollten möglichst in der Mitte des Raumes in Sitzhöhe gemessen werden. (Eine normgerechte Raumlufttemperaturmessung sollte in der Mitte des Raumes in 0,75 m und 1 m Höhe mit einem wärmestrahlungsgeschützem Thermometer mit einer Messabweichung von max. 0,5 K erfolgen).

  • Haben dann die Räume die gewünschte Temperatur, dann ist das in Ordnung. Natürlich müssen die "Wünsche" im Rahmen der Vernunft und der Heizflächenauslegung liegen.

  • Wenn die Räume zu warm oder zu kalt sind, dann kann man als nächstes die Systemtemperatur (Heizkurve) niedriger oder höher einstellen. Nach jeder Änderung, muss wieder längere Zeit geheizt werden.

  • Das Stellen an den Umwälzpumpen ist weniger sinnvoll. Die Pumpendrehzahl bzw. der Pumpendruck sollte so eingestellt werden, wie es die Rohrnetzberechnung vorgesehen hat. Die hoffentlich die Anlagenart (z. B. sollen Brennwert- oder Wärmepumpenanlagen eine geringe Temperaturspreizungen [4 bis 7 K] und niedrige Systemtemperaturen [Flächenheizung: 35/28 °C + 32/28 °C, Bauteilaktivierung: z. B. 28/24 °C] haben) berücksichtigt hat. Aber Vorsicht, eine zu hohe Fließgeschwindigkeit kann zu Heizungsgeräuschen führen.

  • Wenn durch diese Maßnahme nichts erreicht wird, dann muss der Abgleich neu bzw. erstmals durchgeführt werden.

Natürlich kann man auch gleich eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 erstellen, die Heizflächen überprüfen bzw. berechnen und anhand einer Rohrnetzberechnung die Einstellwerte einstellen :>))

Ein hydraulischer Abgleich kann keine Fehler in der Heizflächenauslegung (zu kleine HK) und der Hydraulik ausgleichen. Vor dem Abgleich müssen die fachlichen Gegebenheiten hergestellt werden.

Hier noch einmal der Hinweis, dass man die Rücklauftemperatur und die Temperaturdifferenzen (Vorlauf/Rücklauf) nicht einstellen kann, wie man es möchte, denn sie sind die Reaktionsgröße aus der Raumheizlast bzw. aus Massestrom, Heizfläche bzw. Heizflächenart und Raumtemperatur, wobei auch noch die Heizkurveneinstellung mitspielt.

Bei einigen Fördermaßnahmen ist der hydraulische Abgleich zwingend vorgeschrieben und muss entsprechend von einem Fachbetrieb mit entsprechenden Vordrucken bescheinigt werden. Damit ist aber nicht der Thermische Abgleich gemeint. In der Regel werden die Angaben nicht überprüft.

Formulare - Bestätigung hydraulischer Abgleich (für Fachhandwerker und Sachverständige) - VdZ

Bei der Wahl des Verfahrens A oder B sind die jeweiligen Fördertatbestände der Fördergeber zu beachten. Für die Förderung von Einzelmaßnahmen kann der hydraulische Abgleich auch nach dem 31.12.2016 nach Verfahren A durchgeführt werden. Bei der Förderung im Rahmen des KfW-Heizungspakets ist dagegen das Verfahren B vorgeschrieben. Auch bei der Bestätigung für ein KfW-Effizienzhaus bleibt Verfahren B Voraussetzung – hier ändert sich nichts. Für das Fachhandwerk werden über Verbandsorganisationen oder Hersteller bundesweit Schulungen für die Softwareberechnung angeboten.

LEITFADEN FÜR FACHLEUTE für den Hydraulischer Abgleich in Heizungsanlagen - VdZ - Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik e.V.

App zur Unterstützung bei der Durchführung und Dokumentation des hydraulischen Abgleichs von Heizungsanlagen für Smartphone und Tabllet - Oventrop GmbH & Co. KG

Planung einer Fußbodenheizung mit den Einstellwerten des hydraulischen Abgleichs - Ingenieurbüro Oertel

Dynamischer Abgleich

Heizungs- und Kühlwasser ist kein "totes Wasser". Immer wieder werden andere Meinungen vertreten. Ist es Unwissenheit, Halbwissen oder Ignoranz? Auf jeden Fall ist dieses Thema nicht so einfach, wie es sich viele vorstellen. Bei einem Abgleichen sollte man schon wissen, ob da klare Flüssigkeit, "Suppe" oder "Pudding" in der Anlage ist. Diese Erscheinungen ändern die Einstellungen durch Ablagerungen nach kurzer Zeit.

Die DIN EN 14336 (sie ist immer noch vielen Fachleuten unbekannt) gibt dem SHK-Betrieb vor, dass Wassersysteme gespült und gereinigt werden müssen. Nur so ist gewährleistet, dass die Anlage, wenn sie mit behandeltem Wasser gefüllt wurde, die nächsten Jahrzehnte unter den gleichen guten Bedingungen funktioniert. In dieser Norm wird auch der hydraulische Abgleich vorgeschrieben.

Versuche (Stresstest) mit VE-Wasser ohne und mit VS (Vollschutz)

Viele Störungen (z. B. Strömungsgeräusche, Ausfall von Anlagenteilen) während des Betriebes einer PWWH lassen sich vermeiden, wenn man sich bei der Auslegung (Berechnung) und bei der ersten Inbetriebnahme ein wenig mehr Zeit nimmt.

Hinweis! Schutzrechtsverletzung: Falls Sie meinen, dass von meiner Website aus Ihre Schutzrechte verletzt werden, bitte ich Sie, zur Vermeidung eines unnötigen Rechtsstreites, mich umgehend bereits im Vorfeld zu kontaktieren, damit zügig Abhilfe geschaffen werden kann. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis: Das zeitaufwändigere Einschalten eines Anwaltes zur Erstellung einer für den Diensteanbieter kostenpflichtigen Abmahnung entspricht nicht dessen wirklichen oder mutmaßlichen Willen. Die Kostennote einer anwaltlichen Abmahnung ohne vorhergehende Kontaktaufnahme mit mir wird daher im Sinne der Schadensminderungspflicht als unbegründet zurückgewiesen.
das neue Videoportal von HaustechnikDialog mit vielen interessanten Informationen und Anleitungen aus der Haustechnik
Videos aus der SHK-Branche
SHK-Lexikon

Besucherzaehler